MMLLEV SH Kiel, den 12.09.2025
Sehr geehrte Damen und Herren,
in diesem Sommer wurde in Schleswig-Holstein erstmalig Myxomatose vom Toldeo-Stamm bei einem Feldhasen bestätigt. Dieser in Deutschland erstmals 2024 in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen aufgetretene Virusstamm ist an Feldhasen adaptiert und versursacht hier schwere Verläufe mit hoher Mortalität. Eine Betroffenheit von Kaninchen wurde in Schleswig-Holstein bislang nicht beobachtet.
Seit dem ersten bestätigtem Fall Ende Juli im Kreis Dithmarschen, bei dem das Vorliegen des Toledo-Stammes bereits durch das FLI nachgewiesen wurde, liegen mittlerweile sechs weitere Pockenvirus-positive Befunde des LSH vor. Eine Differenzierung in Hinblick auf das Vorliegen des Toledo-Stamms am FLI steht hierbei noch aus. Die Nachweise stammen neben dem Kreis Dithmarschen aus den Kreisen Steinburg, Pinneberg, Segeberg, sowie Rensburg-Eckernförde.
Um über das Vorkommen der Toledo-Variante der Myxomatose in Schleswig-Holstein einen Überblick zu erhalten, können bei vermehrter Sterblichkeit von Feldhasen in bislang nicht betroffenen Gebieten bis auf Weiteres je ein bis zwei Tierkörper an das LSH eingesendet werden. Um andere Krankheitsursachen ebenfalls abzuklären, wird hier neben der Myxomatose auch auf RHD, Tularämie und Brucellose untersucht. Die Untersuchungen, die über die Veterinärämter eingesendet werden, werden als amtliche Untersuchungen ohne Berechnung ausgeführt.
Bei der Übertragung der Myxomatose spielen Stechmücken und -fliegen eine große Rolle. Das Virus kann jedoch auch direkt von Tier zu Tier sowie auch indirekt über mit Pockenmaterial kontaminiertes Futter bspw. durch Pockenkrusten auf den Äsungsflächen übertragen werden. In Kadavern infizierter Tiere kann das Virus über eine Woche infektiös bleiben, in getrockneten Pockenkrusten und Fellen auch mehrere Monate. Eine Entfernung der Kadaver aus der Umwelt kann daher den Infektionsdruck reduzieren. Die Entsorgung der Kadaver von Feldhasen mit Krankheitsanzeichen über die Geflügelpest-Tonnen oder ASP-Sammelstellen unter Übernahme der Kosten durch das Land ist dabei nach Rücksprache mit Frau Strecker (giulia-elisabeth.strecker@mllev.landsh.de) grundsätzlich möglich. Bei der Entsorgung ist auf den persönlichen Schutz, wie etwa das Tragen von Handschuhen, zwar nicht wegen der Myxomatose, aber anderer möglicher Erreger, zu achten. Neben Hygienemaßnahmen können auch ein Verzicht der Bejagung auf Feldhasen in akut betroffenen Revieren sowie ein dortiger Verzicht auf Hundearbeit Maßnahmen sein, Stress zu reduzieren und überlebenden Hasen eine Erholung der Populationen zu erleichtern.
Informationen zur Myxomatose bei Feldhasen finden Sie beispielsweise auch als FAQ auf der Homepage des Landesamts für Verbraucherschutz und Ernährung Nordrhein-Westfalen: FAQ Myxomatose beim Feldhasen | LAVE NRW
Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz Referat Veterinärwesen IX 2610